Mainradweg – Tag 8
Abschied nehmen von Miltenberg, von unserer Vermieterin und der schönen Wohnung, mit alten Möbeln, uralten Türklinken, aber neuem Bad und neuer Küche.
Wieder sind mir zwei schöne Gespräche in Erinnerung:
Heute Nacht, nach dem Biergartenbesuch, las ich am alten Rathaus noch das Schild zwecks den verschiedenen Hochwasserständen. Wie als hätte sich eine Erdspalte geöffnet, stand ein Ur-Miltenberger hinter uns und erklärte uns, dass vor 100 Jahren die Straße, auf der wir standen, noch einen Meter tiefer lag. „Aber das erzählt einem kein Stadtführer“, meinte er. So schenkte er uns noch viel Wissen aus alten Miltenberger Tagen. Und in sein Gummibärchensortiment durften wir auch noch greifen, er ist nämlich der Besitzer des Gummibärchenladens (Gummibärchen aus Schweden, nicht von Haribo!), war Reporter und betreibt nun in der Rente den Laden als Hobby.
Das zweite schöne Gespräch am Morgen kurz vor der Abreise. Auch unsere Vermieterin ist Hundeliebhaberin. Wir schwärmten so von ihrem schöne Haus, mitten in der Stadt, dass sie uns noch ihren großen Garten zeigte, samt dem Grab des letzten Cocker Spaniels.
So kann der Tag beginnen, ein gutes Frühstück, ein netter Schwatz, eine schöne Strecke am Mee entlang, Gott sei dank ein bisschen Fahrtwind, denn die Sonne lachte uns immer mehr an. Frühmorgens um 9 Uhr schlappe 25 Grad.
Witzig ist es auch, dass man jeden Tag immer wieder bekannte Radler überholt. So ein älteres Ehepaar. Jeden Morgen überholen wir zuerst die Gattin, die dann ihrem Mann zu ruft „Olaf, fahr rechts rüber“, oder die Familie mit den beiden Kindern, der Papa weit vorne, die Mama als Schlußlicht.
Einsam sind wir selten. Immer wieder kommen uns ganze Gruppen entgegen, entweder kleine Damengruppen, oder Männergruppen, full dressed. Wir werden natürlich von den ganz super sportlichen überholt, tolle Rennräder und muskulöse Wadeln.
Mit der minimalen Einsamkeit ist es spätestens in Seligenstadt zu Ende. Menschenmassen, bzw. Radler und Touristen und große Autos ohne Ende, und teure Preise inklusive. Dennoch ist uns das alkoholfreie Weizen als Durstlöscher höchst willkommen. Und während wir auf die Fähre warten schmeckt uns die Leberkässemmel. Ungesund muss auch mal sein:)
Hitze und länger ausgeschaltet sein bekommt dem Akku scheinbar nicht. Die letzen Kilometer neigt sich der Akkustand bedenklich dem Ende entgegen und die letzten Meter über Schotter zur Behausung müssen wir das Bauchi und die Oberschenkel bemühen. Dank der Leberkässemmel no problem. Hallo Kahl, wir sind da. Das Bambuk fährt durch den Wintergarten unter eine Art Carport vor dem Garten – bestens untergebracht.
Die Gaststätte mit Sky-Anschluss hat leider eine Hochzeitsgesellschaft zu Gast, die uns um das Spiel Bayern gegen Chelsea bringt. So entscheiden wir uns für einen faulen Abend „zuhause“. Davor gehen wir noch einkaufen. Dass es den Rewe nicht mehr gibt, erfahren wir, als wir davor stehen, also am Badesee (nur für Saisonkarteninhaber) vorbei zum Netto. Schwer bepackt kehren wir zurück, essen etwas und hängen vor der Glotze ab.
Die Nacht ist die schlechteste bislang. Es ist heiß, keine Abkühlung und wir müssen uns eine 1,40-Meter-Matratze in einem Hochbett teilen.