Eurovelo 15 – Ein Resümee
Vorsicht! Langer Text!
Ursprünglich wollten wir den Eurovelo 15 – den Rheinradweg – am Stück von der Quelle bis zur Mündung fahren, mussten aber bald feststellen, dass wir entweder mit zu vielen Tagen oder zu langen Etappen hätten planen müssen. Ersteres hätte die Urlaubsplanung unseres Haus-, Hund- und Katzenbetreuers torpediert, zweiteres hätte dazu geführt, dass wir deutlich weniger Zeit für die Städte gehabt hätten, die die Ziele unserer Etappe sein sollten.
Also entschieden wir uns, die Tour zweizuteilen und im ersten Teil nur bis Mainz zu fahren. Damit einher gingen kürzere Etappen und mehr Ziele. Chur, Basel, Breisach, Straßburg, Worms, Speyer und Mainz hätten wir – wenn überhaupt – sicher nicht so in vollen Zügen genießen können, wie wir es getan haben. Im Schnitt fuhren wir 70 Kilometer täglich, die längste Etappe war die von Chur nach Rorschach mit 120 Kilometer, die kürzeste mit 42 Kilometer von Andermatt nach Rabius.
Erstere war gewissermaßen Bambuk-Autobahn auf dem Rheindamm: Geteert, breit, entspannt zu fahren und einfach toll, wobei allein die Schweiz und Liechtenstein für den Asphalt sorgten. Das Stück in Österreich war geschottert (daran erkennt man den „Grenzübergang zwischen Liechtenstein und Österreich).
Die kurze Etappe zwischen Andermatt und Rabius war der Vermutung geschuldet, dass der Aufstieg zum Oberalppass sehr anstrengend werden würde. Tatsächlich war er – nicht nur dank des Motors – halb so schlimm und für jedermann/frau machbar. Auch der Verkehr auf dieser Strecke war nicht so schlimm wie befürchtet und die Schweizer Autofahrer waren auch sehr rücksichtsvoll. Belohnt wurden wir mit dem grandiosen Abendessen im Hotel Greina in Rabius. Das Zimmer war einfach, aber von guter Qualität und das Bambuk war sicher verstaut. Sehr empfehlenswert!
Die Streckenführung des Eurovelo 15 ist definitiv verbesserungswürdig. Ich vermute, dass man Radfahrenden die Hauptstraßen ersparen möchte, was aber zwischen Rabius und Rueun bedeutete, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen – definitiv auf der Straße bleiben. Nähere Informationen findet man hier.
Am Bodensee wählten wir auf Basis von Berichten von Youtubern die Südroute durch die Schweiz, was auch die bessere Wahl ist. Man ist fast immer in der Nähe des Bodensees und hat immer wieder „Zugriff“ auf ihn.
In Weil am Rhein wechselten wir auf die linke Seite und fuhren den Canal de Huningue entlang – eine traumhafte Strecke für uns und das Bambuk. Übernachtet haben wir in Breisach: Herzliche Gastgeber, schönes, geräumiges Zimmer und ein gutes Frühstück.
Am nächsten Tag fuhren wir bis Straßburg den Canal du Rhône au Rhin entlang – sehr entspannt, besonders für mich als Pilot: Wenig Verkehr, guter Weg, man kann auch mal den Blick und die Gedanken schweifen lassen.
Straßburg ist sehr sehenswert – ich weiß, ich trage gerade Eulen nach Athen. Wir genossen die Stadt in vollen Zügen. Allerdings würde ich das Hotel nicht mehr wählen. Der Lüfter im Zimmer hatte Alibifunktion, war völlig überfordert und brachte nur wenig Kühlung und bis spät in die Nacht fuhr die Straßenbahn vorbei, was an sich kein Problem gewesen wäre, wenn sie nicht wie ein laut rumpelnder Güterzug geklungen hätte. Und die Tiefgarage, in der das Bambuk nächtigte, wirkte eher wie eine umfunktionierte Katakombe. Es fehlten nur noch Nischen in den Mauern, in denen Gebeine ruhten. Und Zugang hatte der gesamte große Wohnblock, nicht nur Hotelgäste.
Die Etappe nach Karlsruhe war entspannend. Wir fuhren 87km rechtsrheinisch ohne die Absicht irgendwo groß Halt zu machen. Bis hinter Iffezheim verlief die Strecke auch direkt am Rhein. Das Highlight des Tages war definitiv unsere Übernachtung: Das „Hotel Beim Schupi„. Endlich mal ein Biergarten, den man zu später Stunde nur ungern wieder verlassen möchte. Das Frühstück ist sehr gut und in einem erstklassigen Ambiente, an dem man sich nicht satt sehen kann.
Am nächsten Tag ging es wieder linksrheinisch entlang. Landschaft pur bis Speyer. Den Dom finde ich nicht besonders sehenswert. Da können Kirchen in Bayern mit ihrer goldenen Pracht deutlich besser beeindrucken. Dafür war der Biergarten direkt am Rhein eine Wucht. Tags drauf war es umgekehrt: Der Dom in Speyer ist sehenswert, aber der Biergarten gehörte definitiv den Schnaken. Ein Trost war das Hotel Kriemhilde, in dem wir herzlichst umsorgt wurden.
Unsere Tour endete in Mainz im Hotel INNdependence, das ich jedem nur empfehlen kann. Nur zehn Straßenbahnminuten von der Innenstadt entfernt, liegt es ruhig, hat große Zimmer, allerfeinste Betten und der sonstige Service ist klasse. Selten habe ich so gut gelaunte und ehrlich-freundliche Mitarbeiter in einem Hotel getroffen wie hier. Man hat auch speziell auf Radfahrer bezogene Arrangements.
Die gesamte Tour lief reibungslos und wir würden sie genau so wieder machen.